Familie transnational. Migration, Generation und Reproduktion in einer zentralmexikanischen Gemeinde
(Julia Pauli, Köln)
Durch die starke Zunahme der internationalen Migration in die USA ist es in weiten Teilen des ländlichen Mexikos in den vergangenen drei Jahrzehnten zu substantiellen kulturellen, sozialen und ökonomischen Transformationen gekommen. Dabei haben sich nicht nur politische und religiöse Institutionen im Zuge der Entwicklung eines transnationalen Lebensstils verändert, etwa indem die in den USA lebende MigrantInnen religiöse Ämterhierarchien, so genannte Cargosysteme, sponsern und neu definieren oder lokale mexikanische Wahlen beeinflussen. Gerade auch der häusliche und familiäre Bereich hat sich stark gewandelt, mit der Konsequenz, dass Familie in vielen Teilen Mexikos heute nicht mehr lokal sondern transnational verstanden werden muss.
Anhand der von der Referentin seit Mitte der 1990er Jahre untersuchten zentralmexikanischen Gemeinde Pueblo Nuevo soll gezeigt werden, welche langfristigen Konsequenzen die internationale Migration für die Beziehungen der Geschlechter und Generationen und die Reproduktion von Haushalt und Familie hat. Abwesende Väter, autonome Ehefrauen und abhängige Schwiegermütter sind dabei eine besonders typische transnationale Familienkonstellation, die der Vortrag genauer beleuchten wird.
Die „Ringvorlesung Lateinamerika” bietet Vorträge zu lateinamerikanischen Themen aus den einzelnen Fachbereichen, die an den Studiengängen B.A./M.A. Regionalstudien und Diplom Regionalwissenschaften Lateinamerika beteiligt sind. Als Gastdozenten werden sowohl deutsche als auch ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen. Alle Studierenden, Absolventen und Ehemalige sind herzlich eingeladen.
Das vollständige Programm der Ringvorlesung für dieses Sommersemester findet ihr unter: http://www.lateinamerika.uni-koeln.de/rvl.html